2013.07 Hochtour im Schweizer Oberwallis

trotz unserer Flexibilität beim planen der diesjährigen Hochtour blieben nicht mehr viele Tage übrig, so dass wir (Thomas K. und ich) notgedrungen auch eventuell mit nicht ganz optimale Bedingungen diesen Termin nutzen mussten. Am letzten Mittwoch im Juli ging es um kurz nach 4:00Uhr los. Die Fahrt war problemlos und verlief ähnlich wie letztes Jahr. Im Schweizer Spiez kurz vor Interlaken am Thunersee fuhren wir von der Autobahn ins Kandertal. Wir folgten dem Tal bis zur Autoverladung in Kandersteg wo wir für 22CHF viel Zeit sparen konnten. (Transferdauer: 15min). In Goppenstein angekommen fuhren wir die letzten 40km bis zum Parkplatz in Saas-Grund. (5CHF pro Tage recht günstig). Nach einem kurzen Materialcheck stiegen wir im tollen Sonnenschein zur Weissmieshütte auf. (2726m) Leider hatten sich ein paar helle Wolken auf die Spitzen der 4000er gesetzt, jedoch konnte man es auf der Sonnenterasse gut aushalten und Thomas kostet erst einmal den pikanten Käsekuchen – Lecker! Da die Hütte nur zu 50% belegt war, gab’s genügend Platz für alle – ohne zu kuscheln.

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Nach einer schlaflosen Nacht für mich, gings um kurz vor 4 zum Frühstück. Im dunklen suchen wir uns den Weg zum Einstiegspunkt am Fuß den Lagginhorns. Die ersten Höhenmeter gings über Blockkletterei max. II hinauf bis zur Stelle wo der Alternativweg bzw. der Anstieg von der Station Hochsaas auf den Grat trifft. Von dort ab geht es an einem meist breiten Grat hinauf, der bei dem vielen festen Trittfirn mit Steigeisen gut gegangen werden kann. Die Verhältnisse sind Top – kaum Wind kein Blankeis und der Aufstieg ist im Schatten des Bergs. Im angenehmen Tempo erreichen wir recht zügig den Gipfel in 4010m Höhe. Von der einen Seite zog viel Dunst auf, der aber immer hinterm Berg gehalten wurde, so dass wir Richtung Mischabelgruppe und Monte Rosa eine tolle Fernsicht hatten.

Gesamtstrecke: 7.74 km
Maximale Höhe: 4018 m
Gesamtanstieg: 1331 m
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Da wir ganz alleine auf dem Gipfel waren und die Wetterlage stabil war, können wir uns richtig viel Zeit nehmen um die Stimmung zu genießen. Der Abstieg wird auf der Aufstiegsroute absolviert, wir nahmen nur am Beginn des Gletschers die Alternativroute und folgenden nun aber dem Gletscherfluss und gelangen über einige Geröllhalden auf den Pfad zur Weissmieshütte. Als Einstiegstour war dieser leichte aber nicht zu unterschätzende 4000er genau der Richtige. Wir blieben nun eine weitere Nacht auf der Weissmieshütte und stiegen nach einem späteren Frühstück ab. Am Auto angekommen tauschen wir noch ein bisschen Material aus und nahmen den Postbus nach Saas-Fee.

Wir sparen uns die ersten 300hm und nutzen die Hannig Bergbahn. Von dort aus ging es erst über saftig blühende Wiesen langsam schlängelnd nach Oben. Einige Höhenmeter nach dem Wegweisser Schönegge startet der Klettersteig der bis zur Hütte stetig steil hinaufführt. Alles ist Top gesichert mit Drahtseilen und Steighilfen. Nach ca. 3h ab Station Hannig hatten wir die Mischabelhütte auf 3340m erreicht. Die Hütte ist recht neu ausgebaut worden und liegt wirklich Klasse, wie ein Adlernest an einer Felskante. Eine Tolle Aussicht auf Lagginhorn und Weissmies bei schönstem Wetter. Abendessen in zwei Schichten – da die Hütte ausgebucht war müssen wir nacheinander essen. An unserem Tisch war noch der Bergführer und Sicherheitschef von Saas-Fee der kurz nach der Suppe mit einem Satz vom Tisch aufsprang und zum Telefon rannte. Als er zurückkam schüttelte er nur den Kopf, „eine Dreierseilschaft befand sich um 19:00h noch 50m unterhalb der Lenzspitze in ca. 4250m Höhe vollkommen erschöpft“ meinte er. Leider waren die Bedingungen jetzt nicht mehr Ideal, so dass der Hubschrauber nicht  fliegen konnte. Eine dreiviertel Stunde später kam aber dann die Nachricht – Air Zermatt kommt vorbei und holt den Bergführer von der Hütte ab. Nach 1 Stunde kam der Hubschrauber zurück mit dem Bergführer und 3 etwas angeschlagenen Bergsteigern.

Die Nacht ! Hütte voll – dicht an dicht – ein mini Fenster gekippt – Schnarcher  und bullen Hitze ! Als um 1:45Uhr der Wecker ging brauchte uns dieser nicht zu wecken, da man dort kein Auge zu machen konnte. Was soll´s erst mal Nachtmahl, wenn was rein geht 🙂

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Um 2:30h starteten wir – Aufstieg zum Nadelhorn 4327m. In recht leichter Blockkletterei ging es hinauf bis zum Einstiegspunkt auf dem Gletscher. Von dort an weiter etwas rechts gehalten über den platten Teil des Hohbalmgletscher, der später steil hinauf geht. Am Windjoch  in 3850m angekommen entscheiden wir uns für das Ulrichshorn. Ein kurzer Aufstieg auf knapp unter 4000 Meter beschert und einen tollen Ausblick zur „blauen“ Stunde!

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Wir steigen wieder ab und nehmen uns den 500 Meter hohen Gipfelaufschwung des Nadelhorns an. Durch die ca. -8°C war der Firn toll zu laufen doch der Weg zoooog sich sehr in die Länge. Eine kurze Pause passend zum Sonnenaufgang – Grandios ! Danach ein letztes Beißen und kleinere Kletterpassagen und wir standen um 7:00Uhr auf dem Gipfel des Nadelhorns. Leider konnte man dort keine Richtige Gipfelrast einlegen, da von unten viele Seilschaften anströmten. Wir entschieden uns abzusteigen und weiter über den Nadelgrat zu gehen. Im Übergang zum Stecknadelhorn ging es über ein nur wenige Zentimeter breite Trittfläche – die aber toll zu gehen war! Hinauf auf das Stecknadelhorn (4241m) geht es wieder über leichte Kletterei im II und III Grad. Wir hatten uns am Vortag schon über die weiteren Tage Gedanken gemacht und es eventuell in Betracht gezogen, keinen Abstieg zu Domhütte zu machen, da eine Schlechtwetterfront heute Nacht einsetzen und den nächsten 3 Tagen Niederschläge und Gewitter bringen sollte.

Gesamtstrecke: 8.25 km
Maximale Höhe: 4332 m
Gesamtanstieg: 1294 m
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Wir überlegten kurz und entschieden uns für einen Abstieg über die Mischabelhütte nach Saas-Grund. Nach einen Totalabstieg auf 1850m – vielen Dank an meine Knie ! fuhren wir wieder mit dem Postbus nach Saas-Grund. Dort suchten wir uns noch eine kleines Hotel und ließen diese etwas kurze aber intensive  Hochtour bei einem Appenzeller Naturtrüb und einem Käsefondue ausklingen. Wie versprochen zogen am anderen Morgen die Berge zu. Den Dom werden wir bestimmt in unsere nächste Tour im Wallis integrieren.

Wieder einmal vielen Danke an Thomas !

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